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Marketing-Blog: Die Pest mit dem Pitch

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Bremen, 12. Juni 2014 – Die Berufsgenossenschaft (BG) Bau hatte ausgeschrieben: „Grafische Neugestaltung eines Regelwerk-Ordners“. 700 Abbildungen in 3D-Optik, 250 Grafiken und nochmal so viele Piktogramme, Umschlag und Register sind neu zu gestalten. Für eine designorientierte Agentur wie uns ein umfangreicher und lukrativer Auftrag – trotz trockener Materie.

Positiv aufgefallen war uns die Ausschreibung, weil in Phase 1 „nur“ Agenturvorstellung, Auskünfte im gewohnten Umfang und passende Referenzen gefragt waren. Endlich mal jemand, der nicht gleich Ideen und Gestaltungen abfischen will. In Phase 2 wurden bis zu fünf Agenturen zur Probegestaltungen eingeladen, eine Vergütung mit – symbolischen – 1.500 Euro angeboten. Immerhin. Schließlich noch Präsentation und Verhandlungsphase, bevor dann die eigentliche Vergabe erfolgen sollte.

Weil eben keine Idee vorab gefragt war, haben wir unseren Hut in den Ring geworfen. Phase 1: Check! Phase 2 mit den Probearbeiten: Check! Dazu noch Meilensteinplanung, Projektplanung und Projektstruktur. Check! Letzte Woche dann Präsentation und Verhandlung in Frankfurt. Um Wertschätzung für den Kunden zu demonstrieren, waren wir mit vier Leuten vor Ort.

Da wurden dann genau zwei Fragen zur Gestaltung und Konzeption ausgetauscht. Dass wir auch die Texte des Regelwerkes redaktionell überarbeitet hatten, fiel den Verantwortlichen der BG Bau erst im Termin auf. Der angebotene Preis wurde nicht thematisiert. Auf unsere Fragen zum Vertragsentwurf war niemand so recht vorbereitet. Komisch, war der Termin doch ausdrücklich als VERHANDLUNG angesetzt. Das war vor einer Woche.

Dann vergingen genau zwei Arbeitstage. Am dritten hatten wir die Absage per Einschreiben in der Post. Die Vergabe sei vorgesehen an Agentur H.Zwei.S in Hannover. Die hat als einzige die volle Punktzahl erreicht und arbeitet ausweislich der eigenen Webseite bereits für die BG Bau. Was für ein Zufall! Und erstaunlich, wie schnell eine BG arbeiten kann, wenn´s drauf ankommt. Da ist sogar innerhalb eines Tages schon ein Schreiben fertig. Fast könnte man auf den Gedanken kommen, die Absagen waren schon vorbereitet. Aber nur fast…

Liebe BG Bau: Wenn du eine öffentliche Ausschreibung durchführen musst, aber eigentlich gar nicht offen bist in der Entscheidung, dann führe das Verfahren doch wenigstens mit so viel Respekt und Anstand, dass ich das nicht sofort merke. Das ändert zwar am Ergebnis nichts, aber ich kann vielleicht das Gefühl verdrängen, auch ein Praktikant hätte konzipieren und präsentieren können. Das hätte für dich, BG Bau, keinen Unterschied gemacht. War doch schon vorher klar, wer am Ende auf Platz 1 steht. Pitch-Etiquette sieht anders aus.