Vom Hörsaal zu realen Projekten

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Unterschied zwischen Studium und realer Arbeitswelt

„Und jetzt warten wir, bis der Gips getrocknet ist“, lautete die Anweisung des Profs. Zusammen mit rund 10 anderen StudentInnen saß ich an einem langen Tisch. Über unsere Hände, die zu Schüsseln geformt waren, wurde eine große Portion Gips gegossen. Ich befand mich im Kurs „Kreative Grundlagen“ und fragte mich, ob das Studium der Visuellen Kommunikation die richtige Idee war. So absurd dieser Kurs auch begann, er wurde einem meiner Lieblingskurse. Ein Semester lang stapelten wir zum Beispiel Gegenstände bis zur Decke oder bauten aus allem, was wir finden konnten, Kreaturen. Hier ging es nicht um Leistung, sondern darum, kreativ zu denken und die Perspektive zu ändern.

Alles auszuprobieren und ganz frei zu arbeiten – dieser Aspekt zog sich durchs gesamte Studium. Unsere Profs haben uns meist eher Denkanstöße gegeben anstelle konkreter Anforderungen. Allerdings ist gerade das der Knackpunkt: Das Grafik-Studium ist eine sorglose Zeit, in der es nur wenige Vorschriften gibt.

Das Praxissemester hingegen, das ich in einer Kreativ-Agentur verbrachte, holte mich in die Realität zurück: Was sind nochmal Farbräume? Wie war das mit der Auflösung? Ich musste beispielsweise eine Auto-Dachbox in einen Hai verwandeln und Logos für Kunden gestalten. Hier habe ich Projektabläufe kennengelernt und wertwolle Erfahrungen gesammelt. So wurde ich super auf das spätere Berufsleben vorbereitet und konnte nach meinem Abschluss problemlos bei neusta communications einsteigen.

Auch wenn ich bereits Berufserfahrung durch Praktika und Nebenjobs hatte, war der Berufseinstieg nochmal etwas anderes. Mir wurde von Anfang an das Gefühl gegeben, fester Bestandteil des Teams zu sein. Das fand ich besonders zu Beginn sehr hilfreich: Ich konnte jederzeit nachfragen, wenn ich etwas nicht verstand oder Hilfe brauchte. Inzwischen habe ich in den unterschiedlichsten Projekten gearbeitet: Vom Design für Croissant-Verpackungen über die Gestaltung von Karriereportalen bis hin zu animierten Weihnachtskarten war vieles dabei. Eines der coolsten Projekte, an denen ich arbeite, ist der Browser – das Mitarbeitermagazin von team neusta. Hier habe ich viel Spielraum: Ich kann mich gestalterisch ausprobieren, neue Schriften testen, mit unterschiedlichen Effekten spielen und zu jedem Artikel eine eigene, passende Gestaltung festlegen.

Mein Fazit
Natürlich unterscheidet sich jedes Studium vom späteren Arbeitsleben, das ist kaum vermeidbar. Rückblickend hätte ich mir im Studium mehr theoretische Grundlagen gewünscht, die für das Berufsleben wichtig sind. Auf der anderen Seite hilft das Studium einem aber sehr, anders zu denken, Dinge einfach auszuprobieren und mal ohne Vorgaben zu arbeiten.

Im Büro musste ich mich erstmal an die Umstellung vom freien Studentenleben hin zur geregelten 40-Stunden-Woche gewöhnen. Ich habe von heute auf morgen einen großen Teil meiner Zeit mit neuen Kolleginnen und Kollegen verbracht, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen sind. Am Büroalltag schätze ich auf jeden Fall die Zusammenarbeit, gerade über die unterschiedlichen Bereiche hinweg. Außerdem ist es ein ganz anderes Gefühl, an Projekten für echte Kunden zu arbeiten als am Ende nur Ergebnisse fiktiver Projekte in der Hand zu halten. Man bekommt Feedback von Kunden und keine willkürlichen Noten von den Professoren. Alles ist irgendwie realer und handfester.

Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich das Grafikstudium super fand und es kein Stück bereue. Und auch wenn sich der Arbeitsalltag vom Studium unterscheidet, ist auch dieser so, wie ich es mir ungefähr vorgestellt habe.

Lea Müller